Braunkohleabbau im Landkreis Ludwigslust - Wir sagen nein!
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Wo was ist, da gibt es noch mehr...
Dieser Satz muß in den Mibrag-Vorstandsetagen irgendwann Grundidee gewesen sein, nachdem sie mit juristischem und staatlichem Segen im Jahr 2006 vor dem Oberwaltungsgericht in Leipzig es geschafft haben, das Dorf Heuersdorf für alle Zeiten von der Landkarte wegzuradieren.

Gestärkt dadurch hielten sie gleich Aussch
  Mitglieder der Bürgerinitiative aus Lübtheen mit der BI Röcken-Sössen
au nach neuen Abbaugebieten in der näheren Umgebung und enschlossen sich in den Gemeinden Sössen, die aus den Ortschaften Stößwitz, Sössen, Gostau besteht, sowie in der Gemeinde Röcken, die aus den Ortschaften Michlitz, Bothfeld, Schwesswitz, Röcken besteht, Probebohrungen vorzunehmen, die bereits in der Praxis umgesetzt wurden.

Daß die Mibrag mit diesen Probebohrungen nicht nur auf Kohle gestoßen ist, sondern auch auf Widerstand seitens der Bevölkerung, ist folgerichtig.

Aus diesem Grunde bildeten die Einwohner der betroffenen Gemeinden eine BI Röcken-Sössen, wie das im gesamten Bundesgebiet mittlererweile Gang und Gebe ist, überall dort, wo ein Brankohletagebau eröffnet werden soll.

Unter dem Motto „Zukunft statt Braunkohle“ organisierte die „BI Röcken-Sössen“ vom 29.06.07 bis 01.07.07 Aktionstage, indem sie alle Bürgerinitiativen aus dem gesamten Bundesgebiet nach Kleingöhren auf den Reiterhof Rippachtal eingeladen hat.

Eine Gruppe der Bürgerbewegung gegen den möglichen Tagebau aus Lübtheen, die ebenfalls eingeladen wurde, nahm diese Einladung dankbar an. Da seit Jahren eine freundschaftliche Beziehung zwischen den Lübtheenern und den Heuersdorfern existiert, war es selbstverständlich, am 30.06.07 vormittags als erstes die Heuersdorfer in ihrem Ort zu besuchen. Der Empfang war wie immer sehr herzlich, die Stimmung jedoch verständlicherweise bedrückt. Man kann zusehen, wie Heuersdorf immer mehr schrumpft, da viele Häuser von der Mibrag bereits abgerissen wurden und das Dorf langsam verfällt.

  Besichtigung Tagbau bei Heuersdorf
Auf dem Weg nach Kleingöhren wurde der Wunsch der Bürgerbewegung geäußert, den neuesten Aussichtspunkt der Mibrag zu besichtigen. Dieses wurde gemeinsam mit den Heuerdorfern realisiert. Man konnte erkennen, dass in großen Tiefen mit EU-Mitteln Grünflächen entstehen. Das Kuriosum an diesem Aussichtspunkt war die enorme zu spürende Thermik, die sich durch den Tagebau entwickelte, obwohl woanders totale Windstille herrschte. Es war unmöglich, die Augen aufzuhalten, da die Luft wie in einer Wüste nur aus Sand bestand. Man hatte hier das Gefühl, dass die Mibrag bestrebt ist, ein zweites Colorado mit ihrem Gran Canyon zu schaffen.

Wir verließen den Aussichtspunkt und fuhren in Richtung Kleingöhren. Nachdem wir uns weit genug vom Tagebau entfernt haben, erreichten wir eine noch intakte Naturlandschaft mit intakten Dörfern, in denen man viele Investitionen sowohl in die Infrastruktur, wie auch auf privater Ebene beobachten konnte. Trotz Probebohrungen werden immer noch neue Straßen und Gemeindehäuser errichtet, alles beeinduckende Investitionen.

Als wir am Veranstaltungsort im Reiterhof Rippachtal ankamen, waren wir überwältigt von der guten Organisation der BI Röcken-Sössen. Hier hat man an alles gedacht. Das Motto war u. a. nicht nur gegen einen möglichen Tagebau zu sein, sondern die Bevölkerung zu mobilisieren, selber aktiv zu werden, um dafür Sorge zu tragen, Alternativen zur Braunkohle zu entwickeln und in erneuerbare Energien zu investieren. So konnte man dort viele Stände besuchen, an denen man sich über viele Alternativen informieren konnte.

In der Gaststube fanden mehrere Vorträge statt, die hervorragend
  Vortrag Jeffrey Michel
die Vor- und Nachteile eines Tagebaus geschildert haben. Einer der Höhepunkte war der Vortrag des amerikanischen Energieexperten Jeffrey Michel, der noch in Heuersdorf wohnt über Anwendungsmöglichkeiten von erneuerbaren Energien.

Danach meldete sich die Lausitzer Gruppe der Grünen Liga aus Lacoma zu Wort und schilderte auch mit Hilfe eines Videos den Braunkohle-Wahnsinn in ihrer Heimat.
Später entwickelte sich eine rege Diskussion mit allen beteiligten BIs, um sich gegenseitig auszutauschen.

Trotz der vielen Bemühungen seitens des Veranstalters eine heitere und unbeschwerte Stimmung mit Tanz und Lagerfeuer in den Abendstunden zu erzeugen, war die Stimmung jedoch ernsthaft und betrübt.

Am nächsten Morgen hatte der Hofbesitzer Horst Krüger, dessen Existenz ebenfalls bedroht ist, seine Pferde einspannen lassen für eine Kremserfahrt durch die bedrohten Gebiete mit den interessierten Teilnehmern der Veranstaltung. Diese Fahrt war dermaßen eindrucksvoll und zeigte nochmals die Schönheit der noch unberührten Landschaft. Auf dem Hof zurückgekehrt übergab uns Herr Krüger ein dickes Photoalbum das dokumentierte, wie die Familie Krüger mit viel Herzblut und vielen Entbehrungen die schöne Hofanlage nach der Wende errichtete. Dadurch ergab sich eine erneute Diskussion über den Wahnsinn eines auch hier möglichen Tagebaus.

  Gedenkstätte Friedrich Nietzsche
Von den Gastgebern wurde uns auch angeboten, uns zur Gedenkstätte des Philosophen Friedrich Nietzsche zu begleiten, die sich in Röcken befindet. Herr Dr. Hans Müller-Deck, Mitglied der Friedrich-Nietzsche-Stiftung und ebenfalls ein Braunkohle-Tagebau-Gegner zeigte uns auf dem Kirchengelände da Pfarrhaus, in dem Nietzsche geboren wurde, das Museum mit einer Ausstellung, die Kirche, das Denkmal, sowie das Grab des Philosophen. Diese Führung war sehr eindrucksvoll.

Ungeachtet dieses nationalen Kulturschatzes beabsichtigt die Mibrag, auch diesen Ort und seine Umgebung von der Landkarte zu tilgen.

Voller Eindrücke und Informationen begaben wir uns zurück auf die Heimreise nach Westmecklenburg.

Peter-Edmund Reinsch
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Weiterführende Links:
Heuersdorf
bergbau-egelnermulde.de
Sössen lebt
Ostkohle
www.mulknitz.com
Garzweiler (BUND)
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