Über 500 am Braunkohlethema interessierte Bürger versammelten sich in der modernen Sporthalle Lübtheens, um sich über die Problematik eines geplanten Braunkohletagebaus in der Griesen Gegend zu informieren. Der bekannte Moderator Stephan Güldenpenning moderierte die Veranstaltung professionell. Michael Hübner & Band begleitete die Veranstaltung musikalisch, ein ganz besonderes Debüt für die jungen Musiker mit dem Anti-Braunkohle-Song "Wir sagen Nein". zum Download
Song
Der Vorsitzende des Vereins Braunkohle-nein, Kai Hagen, eröffnete die Veranstaltung mit einem kurzen Rückblick zur Vereinsgründung. Noch vor fünf Monaten wurde das Vorhaben der Mibrag in der Griesen Gegend rund 5 Milliarden Tonnen Braunkohle über die nächsten rund 100 Jahre abzubauen als "Wirtschafts- und Arbeitsplatzwunder" dargestellt. Heute steht aufgrund der Recherchen & dem Hinterfragen der Vereinsmitglieder fest, dass weit mehr Arbeitsplätze vernichtet als geschaffen werden. Zudem wird die gesamte Infrastruktur nachhaltig & die Natur nebst dem sanften Tourismus nahezu vollständig zerstört.
Diplom-Geologe Dr. Werner Michler, der sich seit Jahren u.a. im Auftrag des Fresenius Instituts und für die RiHa Getränkegruppe (u.a.Dodow, Fruchtquell) mit der geologischen Beschaffenheit der Region und insbesondere mit den hydrogeologischen Umständen beschäftigt hat, warnte im Zusammhang mit der Grundwasserabsenkung des geplanten Braunkohletagebaus vor den dramatischen, heute noch gar nicht absehbaren Auswirkungen in einem gigantischen Radius. Christian Schlak, gebürtiger Lübtheener, lebte mehrere Jahre in Tagebauregionen und führte dort Renaturierungsmaßnahmen durch. Er berichtete von den Schwierigkeiten auf den Gebiet ehem. Tagebaugebiete Bepflanzungen durchzuführen & diese zu begrünen. Zudem ließen die Umgebungen nachweißlich keinen besonderen finanziellen Aufschwung erkennen. René Schuster von der Bürgerinitiative "Lacoma" (www.lacoma.de) warnte indes davor, sich aufgrund der FFH-Meldung des betroffenen Gebietes in Sicherheit zu wiegen. FFH schützt nicht automatisch vor einer kompletten Natur- & Umweltzerstörung, wenn wirtschaftliche Interessen von Unternehmen wie Vattenfall oder Mibrag zum Tragen kommen. Große Aufmerksamkeit erhielten auch die Gastredner aus dem Braunkohlegebiet Heuersdorf. Als Horst Bruchmann, der ehemalige Ortsvorsteher des historischen Ortes, das heute am Abgrund
des Braunkohletagebaus steht, die Hintergründe und Vorgehensweise der Mibrag schilderte, wurde es still in der Sporthalle. Horst Bruchmann erzählte vom Schicksal des Ortes & letztendlich von der gesamten Region. Der historische Ort wird nach jahrelang währenden Rechtsstreitigkeiten wohl weggebaggert, die Dorfidylle ist zerstört, Familien verzweifelten & entzweiten sich. Die Entschädigungsleistungen reichen in der Regel nicht annähernd für ein gleichwertiges Zuhause, das ohnehin zukünftig in einer klassisch charmlosen Siedlung umgeben von Sandwüste und Industrieanlagen steht. Arbeitsplätze? Wirtschaftswunder im Braunkohlerevier? Eine Farce. Die Arbeitslosenzahl ist in den letzten 10 Jahren in die Höhe geschnellt, wirtschaftlich interessante Industrie hat sich nicht angesiedelt, selbst die Supermärkte & Tankstellen mussten mangels Kunden & Umsatz schließen. Die Abwanderungsquote der Heimatlosgewordenen ist dramatisch hoch. Da nützt es anscheinend auch nichts auf die weltweit wirkenden Umweltgefahren des Braunkohletagebaus hinzuweisen, die zwischenzeitlich ja wissenschaftlich & somit amtlich bewiesen und nicht mehr bestritten werden. In der betroffenen Griesen Gegend würde nicht nur der Tourismus gestoppt & Arbeitsplätze vernichtet werden, sondern das gesamte Bundesland MV und seine touristischen Regionen, sowie die sich angesiedelte Ernährungsindustrie würde einen nie wieder reparablen Imageschaden erleiden - lediglich die Betreiberunternehmen würden wirtschaftlichen Gewinn einfahren. Dies ist das einhellige Fazit. Vorteile eines Braunkohletagebaus gibt es nicht. Eine Veranstaltung, die alle der weit über 100 Mitglieder und mehr als 5000 sich durch Unterschriften verzeichneten Sympathisanten darin bestärken: Es müssen JETZT endgültige Entscheidungen getroffen werden. Nicht erst dann, wenn der Antrag auf Abbau der Kohle vorliegt. Und das ist erklärtes Ziel des Vereins "Bürgerbewegung Braunkohle-nein".
Ein Dank an alle Helfer & Gastredner die zum Gelingen dieses Abends beigetragen haben. |