Braunkohleabbau im Landkreis Ludwigslust - Wir sagen nein!
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Sinneswandel in Lübtheen - Blick zurück in die Geschichte
"Die Stadtvertretung von Lübtheen mit Ute Lindenau als Bürgervorsteherin hat sich im September 1995 mit einstimmigen Beschluss gegen den Kohleabbau und somit gegen einen Braunkohletagebau ausgesprochen", erklärt Wolfgang Beuth. Der heute 59jährige war vom 01.01.1995 bis zum 31.12.2001 Bürgermeister in Lübtheen. Als professioneller Verwaltungsfachmann ist diese Zeit in Form von Notizen und Zeitungsausschnitten auch heute noch übersichtlich bei ihm archiviert. "1995 erhielten wir im Rahmen der Bearbeitung des Flächennutzungsplans eine Mitteilung des Bergamt Stralsund, das ein Antrag der Mibrag auf Erkundung des Geländes "Truppenübungsplatz" zur Gewinnung der Bodenschätze vorliegt und das wir das zu berücksichtigen haben. Ich erinnere mich", erzählt Wolfgang Beuth, "das wir seinerzeit sehr überrascht waren. Das Bergamt hatte wohl keine Veranlassung gesehen, uns vorzeitig zu informieren. Wir haben uns dann jedoch mit der Thematik umfassend beschäftigt und u.a. Braunkohlereviere der Mibrag besucht. Schon sehr schnell war uns klar, das die notwendige Grundwasserabsenkung eines Braunkohletagebaus mit immensen Risiken in einem großen Radius verbunden ist und das sanfter Tourismus mit einem Kohlerevier nicht vereinbar ist." Aufgewachsen im Kohlerevier Gelsenkirchen weiß Wolfgang Beuth, wovon er spricht. "Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze haben wir damals nicht gesehen und ich glaube nicht, das sich in dieser Hinsicht großartige neue Erkenntnisse ergeben haben".
  ehem. BGM Beuth
Auch der damals noch stellvertretende Ministerpräsident Harald Ringstorff sprach sich eindeutig gegen einen Kohleabbau im Landkreis aus. "Bergbau wird es gegen den Willen der Bevölkerung nicht geben", lautete damals die einhellige Devise. Und während eines Wirtschaftsforums bezog auch Till Backhaus unterstützt von Landrat Christiansen und der heutigen Bürgermeisterin Ute Lindenau klar Stellung: "Es wird keine Genehmigung für den Abbau von Kohle geben". (svz 23.08.95). Doch anscheinend hat nun ein Sinneswandel stattgefunden. An die schon gewonnenen Erkenntnisse und den alten Beschlüssen möchte man sich heute anscheinend nicht mehr so recht erinnern. Alles schon vergessen? Doch auch bei der Mibrag sind alte Beschlüsse in Vergessenheit geraten. So teilte Doris Benner, Juristin der Mitteldeutschen Braunkohle noch 1995 mit: "Gegen den Willen der Bevölkerung wird das Projekt nicht umgesetzt" - will heißen, gegen den Willen der Bevölkerung wird kein Braunkohleabbau stattfinden. Doris Benner brachte es seinerzeit auch auf den Punkt: "Ein verträgliches Leben für die Bewohner der angrenzenden Gemeinden kann nicht garantiert werden". Heute, knapp zehn Jahre später, scheinen die Risiken und das Geschäft mit dem sanften Tourismus, aber auch die Lebensqualität und der Wunsch der Bürger kaum noch eine Rolle zu spielen. Der heute ständige Hinweis: es fehlen Fakten und Informationen um sich klar zu positionieren verwundert in Anbetracht der tatsächlichen Geschehnisse. Woher der Sinneswandel kommt, nur noch Till Backhaus spricht sich klar gegen den Kohleabbau aus, ist unersichtlich. Es stellt sich auch die berechtigte Frage, warum die seinerzeit gewonnenen Erkenntnisse und Positionen heute nicht mehr von Bedeutung und nicht beständig sind. An sich sollte gerade heute die Ablehnung eindeutiger sein. Seit 1995 hat sich im Landkreis viel entwickelt: der sanfte Tourismus ist etabliert und ausbaufähig, Ernährungsindustrie in einem bedeutsamen Umfang hat sich angesiedelt und die Gesamtstruktur ist unzweifelhaft mit einem Braunkohletagebau unvereinbar. Was in jedem Fall bleibt, ist ein politisch bitterer Beigeschmack: die Wähler sind wieder um eine schon oft gemachte Erfahrung reicher - auf Versprechen und Positionen unserer Politiker ist in den wenigsten Fällen Verlass.
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bergbau-egelnermulde.de
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www.mulknitz.com
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